Schön, dass es so etwas für uns noch gibt!

Seit Jahren gibt es an der Astrid-Lindgren-Schule Meldorf eine schöne Tradition. Es ist ein ganz besonderes Schwimmangebot, das sich vom regulären Schwimmunterricht unterscheidet:

Das Bewegungsbad

Daran nehmen Schülerinnen und Schüler mit intensiven Assistenzbedarf teil, denn auch Kinder und Jugendliche mit besonderen und hohen Förderbedürfnissen haben einen Anspruch auf Schwimmunterricht.

 

Nun erst einmal etwas wissenschaftlich:

Das "Erlebnis- und Erfahrungsfeld Wasser" dient insbesondere für unsere Schülerinnen und Schüler als senso- und psychomotorisches Erfahrungsfeld. Bei der physischen und psychischen Anpassung an das Wasser machen sie überwiegend emotional-soziale, sensorische, motorische und kognitive Erfahrungen.

 

Eindrücke vom Schwimmtag aus der Sicht der Schüler

Es ist wieder Donnerstag.

Für uns gibt es in jeder Woche diesen besonderen Tag. Nach dem Anziehen in der Schule, werden wir mit einem Bus zum Kurbadehaus Liebig in Meldorf gefahren.
Vor einiger Zeit noch hörten wir oft den lockeren Satz: "Gleich geht es zum Liebigschwimmen."
Das hat sich jetzt ein wenig geändert, nun hören wir: "Wir fahren zum Bewegungsbad." Das klingt ja ganz schön vielversprechend. Aber wir haben uns daran gewöhnt und wissen, was damit gemeint ist.
Nach der Ankunft am besagten Ort erwarten uns schon Frau Tharra und Herr Wolf, die uns sofort in die Räume des Bewegungsbades begleiten.

 

Nun geht es richtig los.

In bekannter Art und Weise und mit geübten Handgriffen werden wir umgezogen, denn die uns zur Verfügung stehende Zeit soll schließlich auch gut genutzt werden. Außerdem freuen wir uns auf das Wasser. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die sich selbstständig umziehen können, aber auch diejenigen, die das nicht können, versuchen so gut es geht mitzuhelfen.
Durch die wohlige Wärme kommen jedoch alle ins Schwitzen. Herrn Wolf hört man oft sagen: "Das ist mein Fitnesstraining." Ein angenehmes Gefühl kommt auf, wenn wir ins Wasser gehen.
Bei einer Wassertemperatur von 32°C, denn die ist für unsere Muskulatur sehr wichtig, werden wir von den Erwachsenen in verschiedene Richtungen bewegt. Einige können sich mit Schwimmhilfen auch alleine fortbewegen.

 

Unsere Wasserscheu ist schon lange abgelegt.

Mittlerweile haben wir vorm Untergehen auch keine Angst mehr, denn wir nehmen den Körperkontakt zu unseren Schwimmlehrern stets wahr, was zusätzlich Vertrauen schafft. Schrittweise können wir nun besser entspannen, den Wärmereiz des Wassers spüren und uns auf Bewegungsangebote einlassen.
Wir erfahren unterschiedliche Körperlagen, wie Bauch- und Rückenlage, führen gemeinsam Drehbewegungen aus oder greifen nach uns angebotenen Materialien. Manche Schüler haben auch außergewöhnliche Übungen gerne. Viel Freude kommt besonders bei plötzlichen und schnellen Beschleunigungen auf, die sich durch lautes Lachen äußert. Hierbei fällt es uns nicht immer leicht, den Kopf zu heben, die Bewegungsreserven der Arme und Beine zu mobilisieren und eine stabile Lage oder Haltung im Wasser zu erreichen.

 

Die "Wildwasseranlage"

Als Höhepunkt wird für uns die Sprudel- bzw. Wirlanlage eingeschaltet. Die entstehenden Wellen, Schwingungen und Vibrationen fordern und fördern noch einmal unser ganzes Körpergefühl.

 

Wo ist nur die Zeit geblieben?

Wir haben überhaupt nicht bemerkt, dass die Zeit sehr schnell vergangen ist. Gerne würden wir noch im Wasser bleiben. Aber leider müssen alle das Therapiebecken verlassen, denn die nächste Schülergruppe ist bald hier. Das Abtrocknen und das Anziehen gehen wieder zügig.
Obwohl wir vom Wechselspiel zwischen Aktivitäten und Ruhe doch eher erschöpft sind, gelingt uns das Beugen und Strecken der Arme und Beine leichter als vor dem Schwimmen.
Frau Tharra und Herr Wolf freuen sich darüber sehr, weil wir dadurch mithelfen können, das Anziehen der Kleidung zu erleichtern.

 

Gefönt und warm eingepackt

Noch während wir in unserem Rolli oder auf einem Stuhl sitzend auf die Rückfahrt warten, kommt es hin und wieder vor, dass uns die Augen zufallen. An dieser Stelle mag man sich fragen, ist daran die Anstrengung schuld oder lassen wir noch einmal die zahlreichen Erlebnisse, Übungsformen, Eindrücke und die gemachten Erfahrungen auf uns wirken? Spekulationen darüber helfen jetzt nicht weiter.

Eins können wir euch aber mit Gewissheit sagen, es ist ein schöner Tagesabschnitt gewesen, der nur für uns gestaltet wurde und den wir aufgrund der individuellen Betreuung echt genießen konnten.

... und wie gesagt:

Schön, dass es so etwas für uns noch gibt!

 

Schlusswort der Erwachsenen:

Dieses besondere Angebot zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit intensiven Assistenzbedarf ist aus unserer Sicht keinesfalls als eine Selbstverständlichkeit anzusehen.
Nur das gute Zusammenwirken vieler Personen macht diese Förderung erst möglich, die zunehmend gerne in Anspruch genommen wird.

Ein Dankeschön an alle beteiligten Eltern, ein Dankeschön an die Schulleitung der Astrid-Lindgren-Schule, ein Dankeschön an die Familie Speil, die insbesondere die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und die Förderung bei Bedarf fachlich unterstützt.

Andreas Wolf & Susan Tharra