Unified Team

Vielleicht wird es für den einen oder anderen Spieler des Meldorfer Unified-Fußball-Teams irgendwann zur Gewohnheit werden, in großen Fußball-Arenen zu spielen, aber bestimmt wird keiner von ihnen jemals das erste Fußballspiel in einem großen Bundesligastadion vergessen. Denn das fand im Rahmen der nationalen Special Olympics 2016 in Hannover statt und war der abschließende Höhepunkt einer tollen Woche.

Bereits vor gut einem Jahr trafen sich jeweils fünf Athleten der Astrid-Lindgren-Schule und der Meldorfer Gelehrtenschule zum ersten Kennenlernen. Schnell wurde deutlich, dass die Chemie unter den zehn Fußballern stimmte. Jeden Montag trafen sich Mike, Christoph, Timm, Janneck, Jason, Paul, Jesper, Sverre, Björn und Wladimir zum gemeinsamen Training. Den Abschluss der langen Vorbereitung bildeten zwei Trainingsspiele gegen eine Schüler- und eine Lehrermannschaft der MGS sowie ein Fußballgolfturnier.

Auf der Busfahrt nach Hannover besetzte die Mannschaft voller Vorfreude und selbstbewusst sofort die letzte Bank. Und dieses Selbstbewusstsein war nicht unberechtigt, denn nur drei Tage später wurde allen Spielern im Stadion von Hannover 96 eine Goldmedaille um den Hals gehängt.

Doch bis dahin war es ein langer Weg. Noch am Tag der Ankunft inspizierte die Mannschaft gemeinsam die Sportanlagen, bevor es zur großen Eröffnungsfeier ging, in der die Athleten von der Stadt Hannover sehr warmherzig willkommen geheißen wurden. Neben der Entzündung des Feuers war definitiv der Auftritt der hannoveraner Fußballlegende Per Mertesacker der absolute Höhepunkt, der nicht nur das Herz von Wladi und Sverre, beide Werder-Fans, höher schlagen ließ.

Der Dienstag gehörte den Klassifizierungsspielen des "Schweizer Systems". Leider musste die Spielzeit auf acht Minuten verkürzt werden, sodass kein Spieler wirklich zufrieden abends ins Hotel zurückkehrte, obwohl das Team die meisten Spiele kontrollierte und auch zu Torchancen kam. Die Bilanz des Tages blieb ausgeglichen, einer Niederlage standen ein Sieg und vier Unentschieden entgegen. Das bedeutete für das eigentliche Turnier, das am kommenden Mittwoch beginnen sollte, dass wir in der dritten Gruppe unser Können unter Beweis stellen sollten.

Und gleich im ersten Spiel konnten wir zeigen, was wir alles können. Sofort übernahmen wir die Spielkontrolle, kombinierten uns durch die gegnerischen Reihen und anders als in den Qualifizierungsspielen münzten wir unsere Überlegenheit auch in Tore um und führten schnell 2:0. Doch ein einfacher Befreiungsschlag wendete das Blatt, plötzlich lagen wir 2:3 im Hintertreffen. Jetzt waren Kämpferqualitäten und mannschaftliche Geschlossenheit gefragt. Beide Tugenden führten uns zurück auf die Siegerstraße: 4:3! Doch in der letzten Minute schubste uns ein Elfmeter wieder von dieser herunter.

Doch das 4:4 sollte der einzige Punktverlust im weiteren Verlauf des Turniers bleiben. Dem Unentschieden folgten ein 8:2, zwei 4:1 und ein 2:1. Der Lohn für diese Siege war die Goldmedaille, die am Donnerstagnachmittag in der Südkurve der HDI-Arena, Heimspielstätte von Hannover 96, feierlich verliehen wurde.

 

Doch im Verlaufe des Abends verblassten die Eindrücke von der Siegerehrung schnell. Denn neben den guten Resultaten des Meldorfer Unified-Teams waren den Veranstaltern des Turniers auch die attraktive und faire Spielweise und das gute Miteinander im Team aufgefallen. Drei Gründe, unsere Mannschaft für die abendliche Demonstrationsveranstaltung im großen Bundesligastadion auszuwählen.

 

Das Spiel entwickelte sich zum Highlight des Fußballturniers. Mehr als frenetisch von den Mitgliedern der Meldorfer Delegation angefeuert, gelang es uns zweimal, einen Rückstand auszugleichen, sodass das Spiel in die fünfminütige Verlängerung ging, in der allerdings keine Tore fielen. Die größte Chance hatte Mike wenige Sekunden vor dem Abpfiff. Doch ihm fehlten wenige Zentimeter, um die Hereingabe von Paul über die Torlinie zu bugsieren. Also musste ein Siebenmeterschießen entscheiden.

 

Paul, Jason und Björn verwandelten ihre Strafstöße sicher. Timm aber baute auf die gegnerischen Schützen enormen Druck auf. Zum einen tänzelte er vor jedem Schuss selbstbewusst auf der Linie hin und her, zum anderen war er dreimal ganz nah dran, die Schüsse abzuwehren. Dies verunsicherte die folgenden gegnerischen Schützen offensichtlich. Beide trafen das Tor nicht, sodass Janneck mit seinem Schuss ins untere linke Eck den Sieg perfekt machte.

 

Es versteht sich von selbst, dass dieser ereignisreiche Tag beim Abendessen gebührend gefeiert wurde.

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